Brand auf Atomschiff: Grüne decken Mängel auf

atommüllfassNach dem Brand auf dem Frachter „Atlantic Cartier“, der mit radioaktivem Material an Bord am 1. Mai im Hamburger Hafen nur durch einen Großeinsatz der Feuerwehr gelöscht werden konnte, stellen sich immer mehr Fragen. Hamburgs Behörden hatten weder während noch nach der Beinah-Katastrophe über die brisante Atomfracht informiert (Siehe dazu hier). Am kommenden Freitag wird sich der Innenausschuss der Bürgerschaft mit dem Frachterbrand und dem Atommaterial befassen (31.5.2013, 17:00 Uhr , Rathaus, Raum 151).
Inzwischen liegt die Senats-Antwort auf eine weitere Kleine Anfrage vor (PDF). Die Grüne Bürgerschaftsfraktion in Hamburg stellt auf ihrer Homepage heute fest: „Die Besatzung des Frachters ,Atlantic Cartier‘ hat an wichtigen Stellen geschlampt. Wichtige Informationen zur Atomfracht waren nicht vollständig, auch die Ladeposition von Gefahrgutcontainern wurde nicht angegeben. Das aber kann im Unglücksfall entscheidend sein: Denn die Feuerwehr muss genau wissen, wo sich Gefahrgutcontainer befinden, um Schlimmeres zu verhindern. Schlamperei lässt sich auch beim Transport der Container mit radioaktiver Ladung feststellen: Auch hier wurden Formulare nicht vollständig ausgefüllt und wichtige Daten über die radioaktive Strahlung nicht erfasst. Das Schiff war bei Kontrollen schon mehrfach negativ aufgefallen. Die Reederei ACL ist den Hamburgerinnen und Hamburgern einige Erklärungen schuldig“, so Anjes Tjarks, hafenpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion.
Immer mehr erhärtet sich auch der Verdacht, dass Hamburger Behörden das Risiko gezielt verharmlost haben.  So soll – ohne dass dies öffentlich bekannt wurde – der oberste Katastrophenschützer alarmiert worden sein. Antje Möller, innenpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion, sagt dazu: „Die Schilderung des Senats zeigt, dass dies ein viel gefährlicherer Brand war als zunächst offiziell eingeräumt wurde. Die Lage war offenbar so ernst, dass Hamburgs oberster Katastrophenschützer sofort alarmiert wurde und den Einsatz bis 5 Uhr morgens im Lagezentrum begleitet hat. Es muss auch gefragt werden, warum das nötige Löschmittel Kohlendioxid in Hamburg nicht vorhanden war. Wir haben eine Selbstbefassung zu diesem Thema am 31. Mai im Innenausschuss beantragt. Es kann nicht angehen, dass die Behörden Informationen nur auf Anfragen an die Öffentlichkeit geben anstatt nach so einem Ereignis umfassend zu informieren.“
Zum Hintergrund über das Schiff und die Atomtransporte berichtet die Fraktion über weitere Mängel:
„Bei einer Eingangskontrolle der „Atlantic Cartier“ am 1. Mai 2013 um 08.40 Uhr wurde durch die Wasserschutzpolizei festgestellt, dass bei zwei Tank-Containern mit Klasse 8 (ätzende Stoffe), UN 2922, die Staupositionen im GEGIS fehlten. Durch die Wasserschutzpolizei wurde veranlasst, dass diese Staupositionen im GEGIS nachgetragen wurden. Zusätzlich wurde ein Verwarnungsgeld erhoben und ein Bericht über diese Feststellung gefertigt.
Außerdem wurde bei zwei in Göteborg geladenen Containern mit radioaktiver Ladung lediglich die maximal zulässige Radioaktivität vermerkt. Die vorgeschriebenen Angaben über die tatsächliche Radioaktivität der Ladung fehlten aber. Die erforderlichen Berichtigungen wurden veranlasst. Die Hamburger Polizei leitete deshalb ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren ein.“
Die „Atlantic Cartier“ war auch in der Vergangenheit mehrfach bei Kontrollen auffällig geworden. Das zeigt ein Blick in das Inspektionsregister von 27 Hafenverwaltungen in Europa und Nordamerika, die sich über das „Paris Memorandum of Understandig“ vernetzt haben und Kontrollen erfassen.
Weitere Informationen:

 

Dirk Seifert

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