Nazi-Deutschland und „Geheimdokumente zum deutschen Atomprogramm 1938 – 1945“

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Staatsgeheimnis – Geheimdokumente zum deutschen Atomprogramm 1938 – 1945 im Online-Archiv des Deutschen Museums. Auszug aus einem dort veröffentlichten Protokoll.

„Geheimdokumente zum deutschen Atomprogramm 1938 – 1945“, so lautet die Überschrift von Original-Dokumenten über die Atomforschung in Deutschland aus der Nazi-Zeit, die beim Deutschen Museum online verfügbar sind. Die Dokumente geben schlaglichtartig einen Eindruck, mit welchen Fragen die Atomforscher im deutschen Faschismus und unter den Bedingungen des Zweiten Weltkriegs arbeiteten und welche Probleme sie dabei hatten. Unter den Dokumenten befinden sich auch Protokolle über „Befragungen“ der ALSOS-Mission. Dieses Kommando der USA hatte noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs die Aufgabe, die deutsche Atomforschung aufzudecken, u.a. um festzustellen, ob Nazi-Deutschland eine Atombombe entwickelte.
In dem Archiv finden sich Dokumente über die Forschungsarbeiten z.B. in Hamburg. Dort arbeitete eine Gruppe um den „Physikochemiker Paul Harteck – beteiligt waren Wilhelm Groth, Hans Suess, Friedrich Knauer und teilweise Johannes Jensen aus Hannover“. Diese Gruppe gehörte laut Angaben des Deutschen Museums zu den aktivsten im Uranverein. Zu den Forschungsschwerpunkten gehörten die Entwicklung einer Uranisotopentrennung und die Produktion von schwerem Wasser. Hier finden sich u.a. die folgenden Dokumente (Links verweisen auf den Server des Deutschen Museums):

Zur Urananreicherung und der militärischen Bedeutung siehe hier auf dieser Seite:

Auch über andere Atom-Forschungszentren im Nazi-Deutschland gibt es Dokumente, z.B. auch über das Forschungszentrum Gottow. Das Deutsche Museum schreibt darüber: „Nach der Berufung Heisenbergs zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts in Berlin 1942 musste der Kernphysiker beim Heereswaffenamt (HWA) Kurt Diebner das Institut verlassen. In Gottow, auf dem Gelände der Heeresversuchsstelle Kummersdorf gelegen, sammelte er im Auftrag des HWA junge Physiker um sich.“
Kurt Diebner war Mitglied der NSDAP und hatte bis dahin maßgeblich die Atomforschung in Nazi-Deutschland koordiniert und war bis 1942 beim Heereswaffenamt eine der treibenden Kräfte des „Deutschen Uranvereins“.  Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Gruppe um Kurt Diebner möglicherweise kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Ohrdruf/Stadtfilm thermo-nukleare Explosionen herbeiführte.

Kurt Diebner hatte 1956 eine Liste der „deutschen Geheimarbeiten zur Kernenergieverwertung während des zweiten Weltkrieges 1939 – 1945“ in der Zeitschrift „Atomkerntechnik“ veröffentlicht. Allerdings nicht unter seinem eigenen Namen, sondern unter dem Pseudonym Walter Tautorus. Erich Bagge, der mit Diebner im Heereswaffenamt arbeitete und mit ihm z.B. bereits im September 1939 einen vorbereitenden „Arbeitsplan zur Aufnahme von Versuchen für die Nutzbarmachung der Kernspaltung“ verfasste, berichtete laut dem Atomphysiker Döpel später, dass Diebner unter diesem Pseudonym schrieb, weil „er fürchtete, wegen dieser Liste (noch 1956!) ins Zuchthaus zu kommen“ (Kommentar überflüssig!).” (Quelle: Arnold, Heinrich: Zu einem autobiographischen Brief von Robert Döpel an Fritz Straßmann (PDF), ausführlich auch hier:

Unter dem Stichwort „Mangelwirtschaft“ findet sich beim Deutschen Museum auch dieses Dokument: Besprechungsprotokoll zwischen Vertretern der I.G. Farben und Diebner, Harteck und Suess, 04.01.1944 (2 Dokumente). Darin besprechen die Beteiligten die Probleme zur Beschaffung von „schwerem Wasser“, das als Moderator für die Atomversuche unbedingt erforderlich war. Mit den Lieferungen aus der einzigen bestehenden Anlage im besetzten Norwegen gab es aufgrund von Sabotageaktionen durch Partisanen und durch Luftangriffe der Alliierten erhebliche Probleme.

Weitere Dokumente finden sich beim Deutschen Museum über die Forschungszentren in Wien, Heidelberg, Straßburg, sowie in Leipzig und Berlin.
Zu den insgesamt veröffentlichten Dokumenten informiert das Deutsche Museum auf der Startseite des Archivs über den Kontext, wie die Dokumente in den Besitz des Museums gekommen sind und stellt außerdem fest: „Die hier wiedergegebenen 470 Dokumente sind nur ein kleiner Teil des gesamten Bestandes der geheimen Forschungsberichte, die an das Deutsche Museum übergeben wurden. Die hier vorgestellten Dokumente wurden für die Sonderausstellung vom 7. Mai 2001 bis 12. August 2001 ausgewählt.“
Vorweg steht zu lesen: „Am 29. November 1944 verhafteten Mitglieder der sogenannten „ALSOS-Mission“ in Strassburg erstmals deutsche Wissenschaftler, die im „Uranverein“ an einem geheimen Atomprogramm arbeiteten. Die amerikanische Gruppe mit dem Tarnnamen „ALSOS“ hatte die Aufgabe, den Stand der deutschen Kernforschung herauszufinden, die wichtigsten Forscher gefangen zu nehmen und entscheidende Dokumente und Apparaturen zu beschlagnahmen. Das militärische Kommando führte Oberst Boris Pash, als wissenschaftlicher Leiter fungierte der holländische Physiker Samuel Goudsmit.
Bis Ende Juli 1945 waren die Vorgaben im wesentlichen erfüllt. Obwohl deutsche Wissenschaftler umfangreiche Unterlagen vernichtet hatten, fielen der „ALSOS-Mission“ zentrale Berichte und Korrespondenzen in die Hände. Sie gaben Aufschluss über die deutschen Atomforschungen seit 1938. Die Dokumente waren meist als „geheim“ und „streng geheim“ eingestuft und hatten nur einen sehr kleinen Verteilerkreis.
Die erbeuteten Forschungsberichte wurden in die USA gebracht und ausgewertet. Erst 1970 erfolgte die Rückführung nach Deutschland. Seit 1998 sind die Geheimberichte zum deutschen Atomprogramm im Archiv des Deutschen Museums verwahrt…“

Dirk Seifert

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