Vattenfall: „Strahlender Dreck in Brunsbüttel – die Altlasten der Kernenergie werden zum Albtraum“

Atommüllfass by Vattenfall/AKW Brunsbüttel. Foto: Energieministerium SH
Atommüllfass by Vattenfall/AKW Brunsbüttel. Foto: Energieministerium SH

2014-2014-08-20_Kaverne_2_Draufsicht_c2
Atomarer Getränkekasten bei Vattenfall. Die Rostfässer werden nicht gezeigt. Foto Betreiber

Strahlender Dreck in Brunsbüttel – die Altlasten der Kernenergie werden zum Albtraum„. So macht Matthias Popien im Hamburger Abendblatt seinen Leitartikel auf. Anlass sind die erneuten Funde von vor Rost zerfressenen Atommüllfässer in den unterirdischen Kavernen des AKW Brunsbüttel. Einige davon sind derart verrostet, dass die Atommüllsuppe bereits ausläuft. Popien ist stinksauer auf Vattenfall und die anderen Atomkonzerne: „“Atomkraft ist beherrschbar“: Mit diesem Satz argumentierten in der Bundesrepublik durchaus angesehene Wissenschaftler, Ingenieure und Konzernchefs für den Ausbau der Atomenergie. Zwei Jahrzehnte lang, in den 70ern und in den 80ern, war der Streit um die angeblich so billige Energie das bestimmende politische Thema. Heute blickt man schwer verkatert auf diese Zeit zurück. Und stellt fest: Noch nicht einmal die Atommüllfässer sind beherrschbar.“

umweltFAIRaendern berichtet bereits im Januar und Februar:

„Jedenfalls nicht in Brunsbüttel. Wie es auf den Müllabladeplätzen der anderen deutschen Atomkraftwerke aussieht, ist weitgehend unklar. Auch dort dürfte in den vergangenen Jahrzehnten niemand so genau hingeschaut haben. Warum auch. Eine Kontrollpflicht für die Fässer mit dem alltäglichen Dreck, der in einem Siedewasserreaktor genauso entsteht wie in einer Strumpffabrik, der aber eben leider radioaktiv ist, gab es nicht. Dieses Fass hat niemand freiwillig aufmachen wollen.“

Auch die KollegInnen vom NDR sind offenbar fassungslos. Kein Wunder, wenn man sich anhört, was der norddeutsche Vattenfall-Chef an unglaublichen Aussagen macht: „So dramatisch ist das nicht“, sagt der Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth im Interview mit Jan Malte Andresen zu den durchgerosteten Atommüllfässern. Die Fässer seien sicher untergebracht. Dabei erzählt Wasmuth etwas über „Getränkekästen“, „Spinnweben“ und „besenrein hinterlassen“. Die Vattenfall PM steht hier online. Die PM der zuständigen Atomaufsicht in Schleswig-Holstein ist hier zu lesen.

Nicht nur Vattenfalls Umgang mit dem Atommüll ist atemberaubend. Auch die Kieler Atomaufsicht muss sich kritische Fragen gefallen lassen. Sie hat immerhin ebenfalls Atommüllfässer 30 Jahre lang verrotten (Abendblatt) lassen und offenbar nie den Gedanken gehabt, die Atom-Keller bei Vattenfall mal überprüfen zu lassen.

Popien stellt die richtigen Dinge fest. Der Atommüll gerät immer mehr außer Kontrolle und das ist nicht nur ein Sicherheitsproblem: „Die Atomenergie zersetzt und verstrahlt unseren Rechtsstaat. Weil niemand mehr weiß, wo das ganze radioaktive Zeugs hin soll, werden Gerichtsurteile obsolet. Im Juni 2013 hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig dem Atommüllzwischenlager in Brunsbüttel die Genehmigung entzogen. Die Folgen eines Absturzes eines Airbus 380 auf das Gebäude seien nicht ausreichend geprüft worden, befanden die Richter. Außerdem habe man sich nicht intensiv genug mit der Frage beschäftigt, wie gut der Schutz gegen einen terroristischen Angriff sei.“

Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, weil Betreiber Vattenfall und die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Strahlenschutz, vor dem Bundesverwaltungsgericht Rechtsmittel einlegt haben.

Der Leitartikler des Abendblatts: „Folgen hatte dieses Urteil nicht. Noch immer stehen in Brunsbüttel Castorbehälter mit hochradioaktivem Abfall. Noch immer gilt das Angebot der schleswig-holsteinischen Landesregierung, dort einige der 26 Castoren unterzubringen, die sich derzeit in Wiederaufarbeitungsanlagen im Ausland befinden und die demnächst wieder nach Deutschland zurücktransportiert werden müssen.“

Popien: „Am Tag der Verkündung des OVG-Urteils sagte der Umweltminister Robert Habeck (Grüne), in Schleswig-Holstein für die Atomkraft zuständig: „Was soll ich denn machen? Ich kann die Castoren doch nicht auf die Straße stellen.“ Angesichts der Gefährlichkeit des Atommülls bleibt nichts anderes übrig, als Gerichtsurteile zu ignorieren. Die Atomenergie beherrscht uns nun. Restlaufzeit: ein paar Hundert Jahre. Bis auch die letzte Strahlung abgeklungen ist.“

Trotz der Probleme und des Urteils bietet der Grüne Energieminister Habeck aber das Atommüll-Lager am AKW Brunsbüttel weiterhin als Ort an, in dem die aus Sellafield anstehenden Castortransporte abgestellt werden sollen. Siehe dazu hier:

Und zum AKW Brunsbüttel noch:

Dirk Seifert

Ein Gedanke zu “Vattenfall: „Strahlender Dreck in Brunsbüttel – die Altlasten der Kernenergie werden zum Albtraum“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert