Uran und URENCO: Britische Anlage zur Uran-Umwandlung verzögert sich

URENCO-Gronau-April2011Die von URENCO in Großbritannien im Bau befindliche Uran-Konversionsanlage am Standort Capenhurst verzögert sich und wird nach derzeitigen Planungen nicht vor 2017 in Betrieb gehen.  Das berichtet Anfang Juni das Liverpool-Echo. Damit – so die Zeitung – verzögere sich die Inbetriebnahme um nunmehr zwei Jahre.
URENCO betreibt in Deutschland (Gronau), Niederlande (Almelo) und England (Capenhurst) Fabriken, in denen Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken angereichert wird. Neben dem angereicherten Uran fallen dabei große Mengen abgereichertes Uran in der chemischen Form des besonders aggressiven Uran-Hexa-Fluorids (UF6) an. Da es für diesen Reststoff auf absehbare Zeit keine Verwendung gibt, muss es langfristig gelagert werden. Dazu ist aber eine Umwandlung in ein weniger gefährliches Urangemisch erforderlich. Mit der neuen Konversionsanlage soll das Uran von UF6 daher zu einem chemisch stabileren Uran-Trioxid (U3O8) umgewandelt werden.
Auch in Deutschland fallen von diesem gefährlichen Stoff große Mengen in Gronau an. Bislang erfolgt deren Umwandlung in Südfrankreich in Pierrelatte. Das hat zahllose Atomtransporte zur Folge. Ein neues Atommülllager in Gronau, in dem bis zu 60.000 Tonnen des zu U3O8 umgewandelten Uran gelagert werden sollen, verzögert sich ebenfalls schon seit nunmehr über ein Jahr. Daher lagern in Capenhurst und Gronau große Mengen des gefährlichen UF6 immer noch ungeschützt unter freiem Himmel.
Gründe für die Verzögerungen der Inbetriebnahme der Uran-Umwandlungsanlage in Capenhurst hat die URENCO laut Liverpool-Echo nicht angeben.

Die URENCO und ihre Urananreicherungsanlagen gehören zu den brisantesten Anlagen in der Atomwirtschaft, weil über die eingesetzten Zentrifugen grundsätzlichen auch waffenfähiges Uran hergestellt werden könnte. Dennoch ist derzeit geplant, die URENCO zu verkaufen. Die bisherigen Eigentümer, die Staaten Großbritannien und Niederlande sowie die deutschen Unternehmen RWE und E.on, die jeweils ein Drittel der Anteile besitzen, streben eine Privatisierung der URENCO an. Aufgrund der enormen militärischen Risiken hat es immer wieder Verzögerungen bei den Verkaufsvorbereitungen gegeben.

Dirk Seifert

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