Frankreich gegen Atomenergie und maroden Stahl: 5.000 demonstrieren in Flamanville

demoantiakw-flamanville2016Am äußersten Zipfel der Normandie, gleich neben den Plutoniumfabriken von La Hague, demonstrierten Anfang Oktober rund 5.000 FranzösInnen (und BritInnen) gegen den Bau des neuen Druckwasser-Atomreaktors in Flamanville (Telepolis, Zeit). Eigentlich sollte der Reaktor längst in Betrieb sein, doch immer neue Pannen und Probleme haben zu erheblichen Verzögerungen und vor allem enormen Kostensteigerungen geführt, die mitverantwortlich für die schwere Krise von EDF sind. Jetzt ist davon die Rede, dass der neue Prototyp Ende 2018 in Betrieb gehen könnte. Allerdings gibt es noch erhebliche Bedenken, weil bei den Baumaterialien nicht alles so gelaufen ist, wie vorgesehen. Über „Anomalien“ beim Reaktor-Stahl in vielen französischen Atomanlagen hatte jüngst Greenpeace in einem Report berichtet (PDF, siehe auch TP).

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Baustelle des EPR in Flamanville am Atlantik, September 2016. Foto: EDF

Ebenso wie in Flamanville ist es in Finnland beim baugleichen Reaktor in Olkiluoto zu massiven Problemen und Baukostensteigerungen gekommen. Die beiden Atommeiler stellen den Prototypen einer neuen Reaktorlinie dar, dem European Pressure Reactor, EPR. Während diese beiden Anlagen noch immer nicht am Netz sind und Kosten in Richtung 10 Mrd. Euro bis zur Inbetriebnahme verschlungen haben könnten, will nun Großbritannien in Hinkley Point ebenfalls ein neues AKW dieses Typs bauen und dafür milliardenschwere Steuersubventionen zahlen. Das Projekt kann EDF aber inzwischen nicht mehr allein stemmen und musste sich dazu einen chinenischen Partner mit ins Boot holen.

Die umstrittene Entscheidung zum Neubau in Hinkley Point wurde einseitig als vermeintliche Renaissance der Atomenergie in Europa gefeiert, wobei außer acht gelassen wurde, dass in den nächsten Jahren trotz Laufzeitverlängerungen mehr AKWs vom Netz gehen werden, als neu hinzukommen.

Dirk Seifert

2 Gedanken zu “Frankreich gegen Atomenergie und maroden Stahl: 5.000 demonstrieren in Flamanville

  1. Ich finde, dass jedem klar sein sollte, welche katastrophalen Auswirkungen solche Anomalien im verwendeten Stahl haben können. Wir reden hier schließlich nicht vom Bau eines einfachen Gebäudes, sondern eines Atomkraftwerks und bekanntlich kann hier jede Unstimmigkeit schlimme Folgen haben. Außerdem summieren sich diese Fehler oft auf, was letztendlich das große Problem ausmacht.

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