Vattenfall: Unabhängigkeit der Medien? Vattenfall liefert fertige Sendebeiträge für die Redaktionen

Vattenfall: Nicht mal eine fristgerechte Strompreiserhöhung bekommt das Unternehmen auf die Reihe. Foto: Dirk Seifert
Vattenfall bietet fertige Beiträge für Hörfunk-Redaktionen an. Foto: Dirk Seifert

Der umstrittene Stromkonzern Vattenfall lässt nichts aus, um weitere skandalöse Machenschaften zu betreiben. Unter dem Titel „Guck mal, Energiewende! – Auf dem Weg zu einer smarten Energieversorgung“ versorgt der Atomkonzern mit vorgefertigten Hörfunkbeiträgen die Redaktionen von Hörfunksendern. Dass Vattenfall mit der Energiewende eigentlich nichts am Hut hat, ist das eine. Das andere: Der Vattenfall-Konzern will seinen Werbeetat offenbar entlasten und mit diesen sendefertigen Beiträgen Hörfunk-Redaktionen dazu ermuntern, ihre Konzern-Botschaften direkt und kostenlos zu senden.
Die Audio-Dateien werden gleich mit einem kompletten „Anmoderationsvorschlag“ geliefert. Den Vertrieb übernimmt dabei offenbar die OTS, eine Tochter der dpa: „Mit unserem Nachrichtennetzwerk OTS stellen wir sicher, dass Ihre Presse­mitteilungen und multimedialen Inhalte immer die richtigen Adressaten finden.“ Das Angebot der OTS richtet sich an Wirtschaftsunternehmen und verspricht: „OTS erreicht in einem Schritt zeitgleich alle maßgeblichen Medien in Deutschland.“ Und noch mehr: „OTS garantiert eine optimale Präsenz im mobilen Web“ und „wird von Journalisten und Entscheidern auf Apps für iPhone und Android gelesen.“ Wie das geht, lässt sich hier lesen und anhören!

Wer die Dateien downloaden will, muss den Sendeplatz und Sender angeben und bekommt den freundlichen Hinweis: „Sie helfen uns, unsere Angebote weiter zu verbessern, wenn Sie folgende Angaben machen.“ Und außerdem: „* Hiermit erkenne ich folgende Nutzungsbedingungen an:  Die Verwendung der Beiträge ist ausschließlich zu redaktionellen Zwecken gestattet. Die einzelnen O-Ton-Segmente dürfen jeweils nur im Ganzen – nicht aussschnittweise – verwendet werden“.

Es ist einfach nur skandalös, wie Vattenfall hier mit den Medien umgeht und versucht, diese für ihre wirtschaftlichen Interessen einzuspannen. Dafür werden Grundrechte einer demokratischen Gesellschaft und einer unabhängigen Presse angegriffen. Allerdings zeigt der Vattenfall-Konzern schon seit längerem, dass er ein eher gestörtes Verhältnis zu Medien und Öffentlichkeit hat. Als nach schweren Störfällen die AKWs Krümmel und Brunsbüttel fast zeitgleich im Sommer 2007 abgeschaltet werden mussten, informierte das Unternehmen tagelang Medien und Öffentlichkeit und sogar die Aufsichtsbehörde falsch über die Auswirkungen der Störfälle. In der Folge mussten zahlreiche Manager ihren Hut nehmen. Und erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, wie Vattenfall versuchte, die Partner von „Lesen ohne Atomstrom“ unter Druck zu setzen, um diese zum Ausstieg zu veranlassen. Aber auch in eher subtiler Weise durchdringt der Vattenfall-Konzern die Redaktionen; bis hinein in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das wurde hier auf umweltFAIRaendern vor einigen Wochen am Beispiel eines TV-Beitrages beim RBB dargelegt: RBB deckt auf: Terrorangriff des Wetters auf das Stromnetz – Vattenfall rettet uns vor dem Blackout!

Vattenfall und die Medien – einige Beispiele hier:

Hier im Original von der oben genannten Seite der Vattenfall-„Vorschlag“ zur Anmoderation des mitgelieferten Audio-Materials für die Hörfunk-Redaktionen:
„Berlin (ots) – Anmoderationsvorschlag:
Kochen, fernsehen, Musik hören oder einfach nur das Licht einschalten: Jeden Tag brauchen wir dafür eine Menge Strom. Und der wird in Zukunft immer öfter aus erneuerbaren Energien, also Sonne, Wind und Wasser, erzeugt werden. Wie sich diese von der Politik beschlossene Energiewende auf unseren Alltag auswirkt und was da in den nächsten Jahren noch so alles auf uns zukommen wird, weiß der Geschäftsführer der Vattenfall Innovation GmbH Dr. Oliver Weinmann.
O-Ton 1 (Dr. Oliver Weinmann, 0:21 Min.): „Die Energie wird sauberer werden, die Energie wird nachhaltiger werden. Durch die Umstellung unseres Energiesystems hin zu erneuerbaren Energien werden wir den Strom in Zukunft dann produzieren, wenn der Wind weht und wenn die Sonne scheint. Das wird nicht immer unbedingt dann sein, wenn die Kunden auch den Strom brauchen. Diese Lücke müssen wir in den Griff bekommen. Wir brauchen Energiespeicher, wir brauchen auch neue Netze. Es wird alles ’smart‘ werden in Zukunft.“
Sprecherin. Die ersten Schritte auf dem Weg dorthin hat Vattenfall bereits gemacht. Zurzeit testet das Energieunternehmen beispeilsweise in der HafenCity in Hamburg verschiedene Modellprojekte.
O-Ton 2 (Dr. Oliver Weinmann, 0:21 Min.): „Das sind unter anderem die Wasserstoff-Tankstelle, die flexibel Wasserstoff erzeugen kann. Wir sind unterwegs mit den Kunden, dass wir den ‚Smart Meter‘ anbieten, dass sie ihren Stromverbrauch besser kontrollieren, besser sehen können, dass sie auch selber kontrollieren können, wie viel Strom sie brauchen. Wir haben ein Pilot-Projekt ‚SmartHome‘, dass wir also auch zu den Privatkunden gehen, inwieweit dort Energieverbräuche gesteuert werden können, natürlich immer ohne Komfortverzicht.“
Sprecherin: Und wie das alles genau funktioniert und was sich im Rahmen der Energiewende noch alles verändern wird, kann sich ab sofort auch jeder direkt vor Ort anschauen.
O-Ton 3 (Dr. Oliver Weinmann, 0:25 Min.): „Wir haben in der HafenCity in Hamburg einen Informationspavillon eröffnet, in dem wir die verschiedenen Technologien zeigen, die verschiedenen Technologien ausstellen und für die interessierten Bürger auch verstehbar machen, weil es ja doch teilweise komplizierte Technologien sind. Aber wir zeigen sie in einem Umfeld, wo sie halt erlebt und angefasst werden können – und dann auch möglichst durch die Kunden selber angewendet werden können. Der Infopavillion ist am Wochenende immer von 11 bis 17 Uhr geöffnet, und jeder, der sich interessiert, kann sich dort informieren.“
Abmoderationsvorschlag:
Ein Beitrag von Jessica Martin. Schauen Sie einfach mal im neuen Infopavillion in der Hamburger HafenCity vorbei und informieren Sie sich dort über die Energiewende und die „Smarte Zukunft“. Weitere Infos dazu finden Sie auch im Internet unter www.vattenfall.de/innovation.

ACHTUNG REDAKTIONEN:
Das Tonmaterial ist honorarfrei zur Verwendung. Sendemitschnitt bitte
an ots.audio@newsaktuell.de.

 

Dirk Seifert

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